Europa ist aufgewacht

Kolumne mit Dr. Jörg Zeuner

Energie in Europa

14. März 2022 – Der Krieg in der Ukraine hat ein lange ignoriertes Problem überdeutlich sichtbar gemacht: Europas, und vor allem Deutschlands, Abhängigkeit von russischen Energierohstoffen. Die Europäische Union und die Nato nehmen bei ihrer Sanktionspolitik darauf Rücksicht. Das ist ihnen hoch anzurechnen.

Während die USA und Großbritannien sehr schnell ein Embargo auf russisches Öl und Gas ausgesprochen haben, plant die Europäische Union, ihre Energie-Importe bis Ende des Jahres um zwei Drittel zu reduzieren. Das zu erreichen, wird schwierig genug, entspricht aber einem verantwortungsvollen Umgang mit Risiken. Dabei geht es weniger um Öl als um russisches Gas, das sich in Europa nicht ohne weiteres ersetzen lässt.

Was bedeutet das für die Konjunktur in Europa? Wir hatten gerade Anlauf genommen zu einer zweiten Aufholjagd nach dem Corona-Lockdown. Doch dieser Aufschwung fällt nun aus. Immerhin ist ein Rückgang der Wirtschaftsleistung nicht zu erwarten, vielmehr rechnen wir mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts für die Eurozone von 2,8 Prozent bei einer Teuerungsrate von 6,4 Prozent. Auch wenn es erst einmal schmerzhaft sein mag: Die Abkehr von russischer Energie ist der einzig richtige Weg. Das Verhalten Russlands, aber auch die Reaktion aus Peking haben klar gemacht, dass wir in einen Systemwettbewerb einsteigen. Unternehmen und Kapitalmärkte werden sich darauf einstellen müssen. Gestärkt werden diejenigen daraus hervorgehen, die sich am intelligentesten anpassen.

Dr. Jörg Zeuner

Dr. Jörg Zeuner ist seit Juni 2019 Chefvolkswirt und leitet den Bereich Research & Investment Strategy des Portfoliomanagements von Union Investment. Seine Einschätzung zu aktuellen Kapitalmarktthemen lesen Sie an dieser Stelle.

Urkraine-Krieg

Weniger Wachstum, mehr Inflation

Auswirkungen des Krieges in der Ukraine

 

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