Marktrückblick und -ausblick 26. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 27. Juni bis 1. Juli 2022

    - Diese Woche: Konjunktursorgen führen zu weiteren Verlusten

    - Aktien: Erste Gewinnwarnungen trüben das Bild

    - Renten: Staatsanleihen mit Kursgewinnen

    - Ausblick: US-Arbeitsmarkt im Blickpunkt

    Diese Woche: Konjunktursorgen führen zu weiteren Verlusten

Es ist geschafft! Heute ist der 1. Juli und damit endet für alle Kapitalmarktanleger das erste Halbjahr. Hinter uns liegen denkwürdige sechs Monate, in denen zweifelhafte Rekorde aufgestellt wurden, die wirklich niemand gern hätte sehen wollen. Der US-Aktienmarkt verlor, gemessen am breiten S&P 500-Index seit Jahresbeginn 20 Prozent an Wert. Ende März waren es noch nur rund fünf Prozent gewesen. Damit folgten auf das schon schwache erste Quartal weitere negative drei Monate. Es ist damit das schwächste erste Halbjahr seit 60 Jahren. Dass die Verluste zuletzt so stark anstiegen lag daran, dass vor allem in den letzten Wochen die Rezessionssorgen deutlich zunahmen. Entgegen den Erwartungen zu Jahresbeginn schwächte sich die Inflation nicht nach kurzer Zeit wieder ab. Sowohl in den USA als auch im Euroraum ist weiterhin ein hoher Preisdruck festzustellen, der sich mehr und mehr über den gesamten Warenkorb ausbreitet. Die Notenbanken sehen sich daher gezwungen, die Marktteilnehmer auf einen deutlichen restriktiveren geldpolitischen Kurs vorzubereiteten bzw. größere Zinsschritte als erwartet vorzunehmen. Gingen Anleger im März noch davon aus, dass der US-Leitzins Ende 2022 bei 2,4 Prozent liegen könnte, so wurden kürzlich sogar 3,4 Prozent vom Markt eingepreist. Dementsprechend nahmen die Wachstumssorgen mehr und mehr zu und lasteten damit dann auch noch stärker als im ersten Quartal auf den Aktienkursen. Auch für den DAX 40-Index ging es im ersten Halbjahr 20 Prozent abwärts.

An den Rentenmärkten sah es kaum besser aus. Die Wachstumssorgen führten zwar in den letzten Tagen zu wieder rückläufigen Renditen. Der hohe Teuerungsdruck und die geldpolitischen Implikationen hatten über weite Strecken zu hohen Verlusten geführt. Europäische Staatsanleihen verloren in diesem Jahrtausend selten an Wert. Im Jahr 2006 mussten Anleger einen Verlust von 0,4 Prozent hinnehmen. Im vergangenen Jahr schien der Wert mit minus3,4 Prozent schon ungewöhnlich hoch zu sein. Seit Jahresbeginn sind es im Jahr 2022 nun schon mehr als zwölf Prozent. Lange Wertentwicklungshistorien gibt es in den USA. Dort haben US-Staatsanleihen zwar „nur“ rund neun Prozent verloren. Dies ist jedoch die schlechteste Entwicklung seit 1778!

In der bisherigen Historie folgte einem sehr schwachen ersten Halbjahr oft eine Gegenbewegung in der zweiten Jahreshälfte. Angesichts der Konjunktursorgen muss man nunmehr aufkommende Erwartungen jedoch mit einem Fragezeichen versehen.

Uneinheitliche Inflationsdaten, zum Teil auch verzerrt

In dieser Woche wurden die ersten Schätzungen zur deutschen Inflationsrate vorgelegt. Entgegen den Erwartungen kam es zu einem leichten Rückgang von 7,9 auf 7,6 Prozent - im Vergleich zum Vorjahr. Viele Marktteilnehmer sahen darin zunächst einen Hoffnungsschimmer, dass der Hochpunkt des Preisdrucks nun hinter uns liegen könnte. Bei genauerer Analyse zeigte sich aber, dass einige staatliche Eingriffe wie etwa in Form des Tankrabatts und des 9-Euro-Tickets wohl die Preise nach unten verzerrt haben könnten. In anderen Euroländern ging es hingegen weiter aufwärts. Für Aufsehen sorgte dabei vor allem die Schätzung aus Spanien. Allein im Monatsvergleich zogen dort die Preise um 1,8 Prozent an. Im Jahresvergleich bedeutete dies einen Anstieg um 10,2 Prozent. Dass Deutschland hier ein Ausreißer nach unten war, bestätigte dann auch der Wert für die Euro-Inflationsrate am heutigen Freitag. Nach einem Anstieg von 8,1 Prozent im Vormonat rechneten Analysten mit einem Zuwachs um 8,5 Prozent. Letztlich wurde dieser Wert mit 8,6 Prozent sogar noch leicht übertroffen.

In den USA wird die Inflationsrate zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht. Am Donnerstag richteten aber alle Marktteilnehmer ihr Augenmerk auf den PCE-Preisindex – ein Inflationsindex, der deutlich mehr Aufmerksamkeit seitens der US-Notenbank genießt, weil er die Ausgaben der Verbraucher in der Breite gut erfasst. Er dient den Währungshütern daher als Orientierungsgröße für ihre geldpolitischen Entscheidungen. Im Mai war der Index erstmals rückläufig. Diesen Trend konnte er zwar nicht bestätigen, blieb aber zumindest unverändert bei plus6,3 Prozent im Jahresvergleich und ließ daher Anleger hoffen, dass der Hochpunkt der US-Inflation hinter uns liegen könnte.

Mehrheitlich schwache Konjunkturdaten

Angesichts der hohen Preise ist die Kauflaune der Konsumenten weiter gesunken. In Deutschland liegt die Stimmung des GfK-Verbrauchervertrauens inzwischen sogar unterhalb des Umfragewertes zum Hochpunkt der Corona-Krise. Auch in den USA trübt sich die Stimmungslage immer mehr ein. Während die aktuelle Lage noch als gut bezeichnet wird, ist die Erwartungskomponente inzwischen auf den tiefsten Stand seit gut zehn Jahren gefallen.

Lichtblicke waren sowohl die Auftragseingänge für langlebige Güter als auch die Hausverkäufe in den USA. Beides sind jedoch sehr volatile Zeitreihen und zudem Daten, die sich noch auf Mai beziehen. Gerade am US-Häusermarkt dürften das knappe Angebot und die steigenden Zinsen noch einige Amerikaner zum Hauskauf bewogen haben.

In Deutschland ist erstmals seit Langem die Zahl der Arbeitslosen wieder gestiegen. Dies ist jedoch einem Sondereffekt geschuldet. Erstmals wurden die Flüchtlinge aus der Ukraine mit in die Statistik aufgenommen. Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich aber weiterhin in einer sehr robusten Verfassung. Insbesondere der große Fachkräftemangel sorgt dafür, dass Unternehmen kaum Mitarbeiter entlassen.

    Aktien: Erste Gewinnwarnungen trüben das Bild

An den Aktienmärkten ging es in dieser Woche weiter abwärts. Hierfür waren insbesondere die Rezessionsängste verantwortlich. Anleger zeigten sich daher risikoavers und trennten sich von Aktien. In den USA gab der marktbreite S&P 500-Index bis zur Freitagseröffnung 3,2 Prozent ab, der technologielastige Nasdaq-Index verlor jedoch nur 1,7 Prozent an Wert. Mit den Wachstumssorgen geht die Annahme einher, dass die US-Notenbank die Leitzinsen weniger stark anheben könnte. Hiervon würden Wachstumsaktien profitieren. In Europa gab der DAX 40-Index etwas mehr als zwei Prozent nach, der STOXX Europe 600 verlor 1,3 Prozent.

Mit Blick auf die Sektoren führte der Reise- und Freizeitsektor die Verliererliste in Europa an und büßte mehr als fünf Prozent ein. Chaos an den Flughäfen, zu wenig Personal, hohe Preise und Sorgen um die Wirtschaft könnten auf sich gerade erst erholenden Sektoren lasten. Weitere Verlierer waren Immobilienaktien (-4,8 Prozent) und der Automobilproduzenten (-3,6 Prozent). Auf der Gewinnerseite befanden sich der Energiesektor (+1,0 Prozent) und Versicherer (+0,2 Prozent).

Erste Unternehmen mit Gewinnwarnungen

Mit dem Ablauf des zweiten Quartals stehen in einigen Wochen auch wieder diverse Unternehmensberichte an. Ein wichtiger Fingerzeig sind daher die Zahlenwerke von Firmen mit einem gebrochenen Geschäftsjahr, die also nicht zum 31.12. bilanzieren. Mit Micron und Nike gab es hier nun erste schlechte Nachrichten, die zu einer weiteren Verunsicherung beigetragen haben.

Der Sportartikelhersteller Nike reduzierte seinen Ausblick deutlich und begründete seine Gewinnwarnung mit dem anhaltenden Lockdown in China, einem Lageraufbau und einer fallenden Gewinnmarge aufgrund der steigenden Herstellungskosten. Nike hat für Gewöhnlich ein gute Preissetzungsmacht, kann aber offensichtlich die aktuellen Entwicklungen nicht vollumfänglich an die Käufer weitergeben.

Auch Micron, einer der vier größten Halbleiterhersteller der Welt, senkte seinen Ausblick für die weitere Entwicklung. Grund dafür sei die schwache Nachfrage nach Mobiltelefonen und PCs. Hier würden auch veränderte Nachfragebedingungen seitens der Verbraucher mit eine Rolle spielen. Zuletzt entwickelte sich daher der Dienstleistungssektor besser als der Gütersektor. Ein Lageraufbau würde zudem für Preisdruck sorgen.

    Renten: Staatsanleihen mit Kursgewinnen

Konjunktursorgen und rückläufige Inflationsdaten in den USA sowie der zumindest nicht weiter steigende PCE-Index in den USA haben dazu geführt, dass Marktteilnehmer ihre Zinserwartungen nach unten korrigiert haben. Allein gestern wurde in den USA ein Zinsschritt ausgepreist. Seit Anfang Juni sind es in Summe sogar drei Leitzinserhöhungen. Entsprechend freundlich zeigten sich die Staatsanleihemärkte. Sowohl in den USA als auch im Euroraum waren deutlich rückläufige Renditen zu beobachten. Lag die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen Anfang letzter Woche noch bei rund 1,8 Prozent, waren es Freitagmittag nur noch 1,35 Prozent. In den USA ging die Verzinsung von zehnjährigen US-Schatzanweisungen im gleichen Zeitraum von 3,3 auf knapp unter 3,0 Prozent zurück. Eine noch größere Bewegung war bei kurzlaufenden US-Anleihen auszumachen. Damit ist zumindest aus einem Multi-Asset-Kontext die alte Korrelation zwischen Aktien und Renten wiederhergestellt. Sichere Staatsanleihen konnten daher die Verluste auf der Aktienseite kompensieren.

Weniger gut sah es hingegen für Anleihen mit einem Zinsaufschlag aus, die unter der hohen Risikoaversion litten. Unternehmensanleihen sahen sich höheren Risikoaufschlägen gegenüber. Aktuell gibt die fundamentale Lage noch keinen Anlass zur Sorge. Doch sollten sich die Konjunktursorgen bewahrheiten, dann könnte dies die Bilanzen der Unternehmen trüben und somit weitere Risikoaufschläge rechtfertigen. Hochverzinsliche Anleihen kamen daher aufgrund ihrer schlechteren Bonitätsnote und dem höheren Ausfallrisiko deutlich stärker unter Druck. Während Unternehmensanleihen mit gutem Rating (ICE BofA Euro Corporate Index) im Wochenvergleich 0,3 Prozent an Wert verloren, gaben hochverzinsliche Papiere (ICE BofA BB-B Euro High Yield non-financial Index) sogar 2,4 Prozent ab.

Auch Staatsanleihen aus den Schwellenländern kamen unter Druck. Negative Nachrichten aus der Region gab es nicht. Einige Anleger trennten sich aber von der Anlageklasse, die im Wochenvergleich (J.P Morgan EMBIG Diversified Index) 1,6 Prozent nachgab.

    Ausblick auf die kommende Woche: US-Arbeitsmarkt im Blickpunkt

Am kommenden Freitag gibt es die neue US-Arbeitsmarkdaten für den Monat Juni. Die Beschäftigung außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors soll dem Bloomberg-Konsens zufolge um 250.000 zugelegt haben. Der Anstieg hätte sich damit gegenüber dem Vormonat (390.000) deutlich verlangsamt, gäbe aber noch keine Indikation hinsichtlich einer am Markt befürchteten Rezession. Dem inflationär bedingtem Kaufkraftschwund und den Zinserhöhungen durch die US-Notenbank scheint zumindest der US-Arbeitsmarkt zu trotzen. Ob es diesem aber längerfristig gelingt, sich vom zunehmend wirtschaftlich schwierigen Marktumfeld zu entkoppeln, darf bezweifelt werden. Darüber hinaus stehen am Dienstag die US-Auftragseingänge im Mai auf der Agenda. Letztere werden zudem am Mittwoch für die deutsche Wirtschaft bekannt gegeben. Der Konsens für den deutschen Auftragseingang liegt bei minus einem Prozent. Durch die Lieferkettenproblematik besteht jedoch ein hoher Auftragsrückstand, sodass ein überschaubarer Rückgang nicht groß ins Gewicht fallen sollte.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!

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