Marktrückblick und -ausblick 25. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 20. bis 24. Juni 2022

    - Diese Woche: Rezessionsängste nehmen mit geringeren Gaslieferungen zu

    - Aktien: Märkte halten sich trotz eines schwierigen Umfelds noch gut

    - Renten: Wachstumsängste drücken auf die Renditen

    - Ausblick: Spannung ist vor neuen BIP- und Inflationsdaten hoch

    Diese Woche: Rezessionsängste nehmen mit geringeren Gaslieferungen zu

Die Inflationsaussichten und die Wachstumsprognosen geben wenig Anlass zu Hoffnungen, dass die US-Notenbank Fed ihren quantitativen Straffungspfad überdenken würde. Die Aussage von US- Präsident Joe Biden am Montag, dass er bis Ende der Woche über eine Aussetzung der Benzinsteuer nachdenke, um den Preisdruck auf die US-Verbraucher abzumildern, wirkte nicht gerade beruhigend auf die Märkte. In den USA hat sich auch der Immobilienmarkt abgekühlt. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Hausverkäufe im Mai um 8,6 Prozent zurück. Auch der US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel im Juni auf 52,4 nach 57 Punkten im Mai, was deutlich unter den erwarteten 56 Punkten lag. Dies weist auf eine weiter abnehmende Dynamik der Industrietätigkeit hin.

Am Mittwoch erklärte der Vorsitzende der US-Notenbank, Jerome Powell, dass weitere Zinserhöhungen nötig sein werden, um die höchste Teuerungsrate seit 40 Jahren zu bekämpfen. Die Fed müsse daher flexibel auf die Datenlage reagieren, aber eine weiche Landung sei schwierig. Er schloss nicht aus, dass kräftige Zinserhöhungen die US-Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnten, aber die Fed sei nun einmal bedingungslos der Preisstabilität verpflichtet. Doch sei die amerikanische Wirtschaft stark und gut aufgestellt, sodass sie eine straffere Geldpolitik verkraften könne. Am Donnerstag beruhigte Powell die Märkte mit der Aussage, eine Rezession in den USA sei aber nicht unvermeidbar.

Versorgungssicherheit ist in Gefahr

Konjunkturellen Gegenwind gab es auch in Europa. Russland setzt die europäische Wirtschaft mit der Reduktion seiner Gastransfers um mehr als fünfzig Prozent wirtschaftlich unter Druck. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat inzwischen die zweite Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen (von insgesamt drei Stufen). Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet, aber die Lage angespannt. Dies sind schlechte Nachrichten für Europa und insbesondere für die deutsche Wirtschaft, die besonders stark von russischem Gas abhängig ist. Entsprechend preist der Markt, anders als in den USA, eine Rezession in Europa mit hoher Wahrscheinlichkeit ein.

Am Donnerstag zeigten die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum im Juni eine weitere Verlangsamung im Dienstleistungssektor an, während die Produktion im verarbeitenden Gewerbe sogar deutlich zurückging. Der Gesamt-PMI sank von 54,8 im Mai auf 51,9 im Juni. Der Index für das verarbeitende Gewerbe fiel von 51,2 auf 49,3 und damit zum ersten Mal seit Juni 2020 unter die Marke von 50. Vor allem die Unterkomponente der Auftragseingänge ging besonders deutlich auf 44,7 zurück. Der Index für den Dienstleistungssektor fiel auf ein Fünfmonatstief, wobei die konsumnahen Sektoren und die Immobilienbranche besonders schlecht abschnitten. Gleichzeitig hält der Preisdruck an. Neben den hohen Energiepreisen und den Versorgungsproblemen heizt auch das Lohnwachstum die Inflation an. Ein ähnliches Bild zeichnete auch der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex. Während die aktuelle Lage weiterhin als sehr gut bezeichnet wird, waren die Erwartungen an die weitere Entwicklung weiter rückläufig. Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest bereiten steigende Energiepreise und die drohende Gasknappheit der deutschen Wirtschaft aktuell große Sorgen.

    Aktien: Märkte halten sich trotz eines schwierigen Umfelds noch gut

Die Handelswoche an den globalen Aktienmärkten startete mit einem nachgeholten Feiertag (Juneteenth National Independence Day) in den USA. Daher blieb Wall Street am Montag geschlossen. In der verkürzten Woche konnte der Dow Jones nach einem stetigen Wechsel der Vorzeichen die Woche mit einem Plus von 2,6 Prozent beenden. Der technologielastige Nasdaq konnte um 3,8 Prozent zulegen. Der marktbreitere S&P 500-Index, der sowohl Standard- als auch Technologie-Titel enthält, entwickelte sich um 3,3 Prozent nach oben. Die Aktienmärkte in Fernost folgten den Vorgaben aus den USA und konnten unterm Strich die Woche ebenfalls positiv beenden. In Japan gewann der Nikkei-Index 2,0 Prozent. Auch die großen europäischen Aktienbörsen entwickelten sich tendenziell positiv. Der EURO STOXX 50-Index legte 1,7 Prozent zu. Mehrmals unterschritt der deutsche Leitindex DAX 40 die Marke von 13.000 Punkten. Am Ende der Woche steht ein leichtes Minus von 0,6 Prozent. Zudem musste Delivery Hero den DAX verlassen. Den Platz nahm mit Beiersdorf ein alter Bekannter ein. Erst vor wenigen Monaten war der Konsumgüterhersteller in den MDAX abgestiegen. Nun also die schnelle Rückkehr.

Trotz der Rezessionssorgen konnten die meisten Aktienindizes die Woche mit einem Plus beenden. Woran liegt dies? Viele belastende Faktoren sind bereits eingepreist, so rechnet der Markt mit einem milden Konjunkturabschwung. Die Marktteilnehmer haben ihre Aktienbestände zudem bereits reduziert, was in den vergangenen Wochen zu Verkaufsdruck führte. Eine Vielzahl der Marktteilnehmer empfand den Abverkauf jedoch als zu stark, daher ist nun eine leichte Erholung zu beobachten. Auch die Worte von Fed-Chef Jerome Powell bei seiner Rede vor dem Bankenausschuss des US-Senats zur Wochenmitte halfen dem Markt. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die amerikanische Wirtschaft stark sei und eine straffere Geldpolitik verkraften könne. Dennoch bestehe die Möglichkeit einer Rezession. Somit bleibt das Marktumfeld weiter angespannt. Das Kaufinteresse am Aktienmarkt ist nach wie vor gedämpft.

Stand der Daten: Freitagmittag

Glyphosat-Streit: Bayer scheitert vor Supreme Court

Der DAX-Konzern Bayer sieht sich seit geraumer Zeit in den USA mit zahlreichen Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken ihres glyphosathaltigen Unkrautvernichters konfrontiert. Nun hat das oberste US-Gericht, der Supreme Court, einen Berufungsantrag des Pharma- und Agrarchemieunternehmens abgewiesen. Konkret handelte es sich bei dem Antrag um die Bitte der Überprüfung eines vergangenen Urteils zugunsten eines Klägers – ein richtungsweisender Fall. Diesem wurde 2019 ein Schadensersatz von 25 Millionen Euro zugesprochen, da seine Krebserkrankung durch das Glyphosat verursacht worden sei. Bayer weist weiter alle Vorwürfe zurück, dass bei korrekter Anwendung Unkrautvernichter krebserregend seien. Bisher wurden Rückstellungen für den Rechtsstreit in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar gebildet. Bereits 11,5 Millionen US-Dollar wurden an Entschädigung an Kläger gezahlt. Der Konzern hatte gehofft, dass der Supreme Court den Antrag annimmt. Wäre es zur Verhandlung mit einem positiven Ausgang für Bayer gekommen, hätte dies eine Signalwirkung gehabt. Bayer hätte womöglich einen Schlussstrich unter den teuren Rechtsstreit setzen können. Nun die Enttäuschung. Die Bayer-Aktie geriet daraufhin unter Druck und verlor 4,4 Prozent nach der Bekanntgabe der Entscheidung.

Turbulenzen der Fluggesellschaften

Nach zwei Jahren Corona-Pandemie freuen sich viele Menschen auf einen Sommerurlaub in fernen Ländern. Doch wer mit dem Flugzeug reisen will, benötigt starke Nerven: Aufgrund Personalmangels streicht Lufthansa tausende Flüge ab Frankfurt und München. Über 900 Flüge im Juli werden abgesagt, weitere 2.200 sollen im Sommer folgen. Dies betreffe laut des MDAX-Konzerns insbesondere innerdeutsche und europäische Flüge. Die klassischen Urlaubsziele sollen zur Ferienzeit aber wie geplant angeflogen werden. Auch der britische Billigflieger Easyjet streicht aufgrund des Personalmangels weitere Flüge. Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit beläuft sich die Kapazitätsauslastung aktuell auf 87 Prozent. Derzeit fehlt einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge rund 7.200 Fachkräfte an den Flughäfen. Die Corona-Pandemie führte bei den Fluggesellschaften zu Kurzarbeit und Personalabbau. Die Luftfahrtbranche hatte mit starken Verlusten zu kämpfen. Nun schaut sie optimistisch in die Zukunft. Die Reiselust der Menschen ist hoch. So hoch, dass der Branchenverband IATA für 2023 wieder schwarze Zahlen erwartet. Für 2022 wird mit einem Verlust von 9,7 Milliarden US-Dollar gerechnet. Vor einem Jahr lag der weltweite Verlust noch bei 42,1 Milliarden US-Dollar. Eine spürbare Erholung. Nun soll aufgestockt werden. Easyjet will seine Flugzeugflotte weiter erneuern. Dazu sollen 56 Mittelstreckenjets der Serie A320 neu gekauft werden.

    Renten: Wachstumsängste drücken auf die Renditen

Die Rentenmärkte waren in den vergangenen Wochen von Inflations- und Zinsängsten dominiert. Zudem haben zahlreiche Notenbanken, allen voran die US Fed, ihre Zinsen erhöht und zusätzlich weitere Zinsschritte angekündigt. Entsprechend kannten die Renditen nur den Weg nach oben. Doch seit dieser Woche hat die Marktstimmung begonnen, sich zu drehen. Plötzlich waren Staatsanleihen in ihrer Funktion als sichere Häfen wieder gefragt. Nach den unerwartet schwachen Konjunkturdaten für den Euroraum und den USA, in Verbindung mit Sorgen um die Gasversorgung in Deutschland und den zunehmenden Warnungen deutscher Politiker und Wirtschaftsvertreter vor einer Rezession, haben sich die Wachstumssorgen immer stärker in den Vordergrund geschoben. Dies gilt aktuell jedoch vor allem für den Euroraum und insbesondere für Deutschland, da unsere Wirtschaft sehr stark von russischem Gas abhängig ist. In den USA ist die Wahrscheinlichkeit einer Rezession geringer, da das Land keine Gas-Engpässe fürchten muss, sondern selbst Gas-Exporteur ist.

Die Renditen an den Staatsanleihemarkt setzten ihren Aufwärtstrend am Wochenbeginn zunächst noch fort. Ab Mittwoch gaben sie dann aber kräftig nach, als der Fed-Vorsitzende Powell erneut seine Absicht bekräftigte, die Inflation einzudämmen, auch wenn die Gefahr einer Rezession in den USA bestünde. Die Maßnahmen der Fed und anderer großer Zentralbanken wie der Europäischen Zentralbank haben inzwischen tatsächlich Rezessionsängste geschürt. Die Schwäche der Rohstoffpreise in den letzten Tagen deutet ebenfalls auf eine Verlangsamung des Wachstums hin. In Europa dürfte es schwer werde eine Rezession vor dem Hintergrund, dass Russland seine Gaslieferungen stark gedrosselt hat, zu vermeiden. Aufgrund der Flucht in Sicherheit waren Staatsanleihen erstmals seit Längerem wieder gefragt. Entsprechend haben sich die Anleiherenditen in den letzten Tagen deutlich zurückgebildet. In Europa ging die richtungsweisende zehnjährige Bundrendite von in der Spitze am Dienstag bei rund 1,8 Prozent auf zwischenzeitlich unter 1,4 Prozent am Freitagmorgen zurück. Die deutsche Zinsstrukturkurve verschob sich in den Laufzeiten ab zwei Jahren nach unten. Der Renditerückgang fiel am deutlichsten im Fünf-Jahres-Bereich aus, aber auch am ganz kurzen Ende der Kurve (ein Monat). Selbst in der Euro-Peripherie kam es zu einer leichten Entspannung. Dort kamen die Renditen von italienischen Staatsanleihen wieder zurück.

Am US-Staatsanleihemarkt zogen die Renditen in der Berichtswoche im ganz kurzen Bereich sogar leicht an, aber in den Laufzeiten ab einem Jahr kam es ebenfalls zu einem Renditerückgang. US-Schatzanweisungen mit Fälligkeit in zehn Jahren rentierten am Freitagmittag bei 3,11 Prozent und damit zwölf Basispunkte unter der Vorwoche. Der stärkste Renditerückgang fand im Dreijahres-Bereich statt, hier fiel die Rendite um 21 Basispunkte auf 3,14 Prozent.

Auch in der vergangenen Woche kam es bei einigen kleineren Zentralbanken zu Zinsentscheidungen. Die Tschechische Nationalbank erhöhte ihren Leitzins kräftig um 125 Basispunkte auf 7,0 Prozent, nachdem die Inflation in Tschechien im Mai 16 Prozent erreicht hatte. Die Zentralbank in Norwegen nahm eine Zinserhöhung um 50 Basispunkte vor, in Mexiko ging es um 75 Basispunkte aufwärts und auf den Philippinen um 25 Basispunkte, während die Ägyptische Nationalbank die Zinsen unverändert beließ. Analysten gehen davon aus, dass sich einige Länder bereits dem Ende ihrer Zinserhöhungszyklen nähern könnten.

Euro-Unternehmensanleihen litten unter höheren Risikoaufschlägen aufgrund der konjunkturellen Sorgen. Der allgemein starke Renditerückgang konnte dies jedoch kompensieren, sodass auch hier im Wochenvergleich Gewinne eingefahren wurden, wenn auch geringer als bei Staatsanleihen.

    Ausblick auf die kommende Woche: Spannung ist vor neuen BIP- und Inflationsdaten hoch

Mit Spannung werden die BIP-Zahlen für die USA am kommenden Mittwoch erwartet. Die finalen BIP-Zahlen für das zweite Quartal 2022 werden mit minus 1,4 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal von den Experten prognostiziert. Die Zeichen für eine stärkere Abschwächung der US-Konjunktur mehrten sich in den vergangenen Wochen. Die Frühindikatoren (Einkaufsmanagerindizes, Verbrauchervertrauen, etc.) weisen auf eine Phase des Abschwungs in den USA hin. Die Rezessionsdiskussionen nehmen daher zu. Eine (technische) Rezession liegt dann vor, wenn die Wirtschaft mindestens zwei Quartale im Vergleich zum Vorjahresquartal in Folge schrumpft.

Ebenfalls am Mittwoch wird der harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland erwartet – am Freitag folgen die Zahlen für die Eurozone. Für die deutsche Inflationsrate liegt der Konsens bei 8,8 Prozent Preissteigerung im Vergleich zum Vorjahr. In der Eurozone wird eine Teuerung von 8,3 Prozent erwartet. Somit sollte das Leben der Bürger auch weiterhin teuer bleiben.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 24. Juni 2022, soweit nicht anders angegeben.

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