Marktrückblick und -ausblick 27. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 4. bis 8. Juli 2022

    - Diese Woche: Märkte zwischen Hoffen und Bangen

    - Aktien: DAX 40 zwischenzeitlich auf Jahrestief

    - Renten: Leichter Renditeanstieg bei Staatsanleihen

    - Ausblick: US-Verbraucherpreise und Q2-Berichtssaison

    Diese Woche: Märkte zwischen Hoffen und Bangen

Nach einem zunächst schwachen Wochenstart, in den USA war zudem am Montag Feiertag, setzte sich zum Wochenschluss hin an den Aktienmärkten und den mit Risiko behafteten Anleihesegmenten eine eher freundliche Tendenz durch. Die US-Börsen tendierten mehr oder weniger deutlich ins Plus, die europäischen Pendants wiesen den US-Vorgaben folgend ebenfalls leicht positive Vorzeichen auf. Sowohl US- als auch Euro-Staatsanleihen erlitten hingegen im Rahmen der zum Wochenschluss sich etwas verbessernden Risikostimmung Kursverluste und verzeichneten damit einen leichten Anstieg der Renditen.

Zu der von Zinserhöhungen durch die Zentralbanken und Rezessionsängsten geprägten Lage gesellt sich nunmehr die in der kommenden Woche startende Berichtssaison der Unternehmen zum 2. Quartal. Diese Gemengelage sorgt an den Märkten immer wieder für deutliche Kursausschläge in die eine oder andere Richtung und damit für teils hohe Volatilität. Mit großer Spannung wird nun am kommenden Donnerstag der Auftakt der US-Berichtssaison erwartet. Mit JP Morgan Chase sowie Morgen Stanley starten wieder einmal die Finanzinstitute mit der Bekanntgabe ihrer Zahlenwerke. Das Augenmerk der Anleger wird neben dem Ergebnis auf der Kreditqualität bzw. den Rückstellungen für mögliche Kreditabschreibungen liegen, gibt dies doch zusätzliche Hinweise auf den Zustand der Konjunktur.

Samsung und Taiwan Semiconductor heben Stimmung

Sehr positiv wurden zudem die bereits in dieser Berichtswoche vorab bekanntgegebenen Q2-Zahlen des Unternehmens Samsung Electronics aufgenommen. Ertrag und Umsatz entwickelten sich besser als von den Analysten erwartet. Das detaillierte Zahlenwerk wird am 28. Juli veröffentlicht. Zudem konnte die in der Chipbranche ansiedelte Firma Taiwan Semiconducter Manufactoring positiv mit ihren Daten überraschen, was ebenfalls zur einer besseren Risikostimmung unter den Anleger führte.

Die Aussicht auf konjunkturunterstützende Maßnahmen in China sorgte zudem für eine bessere Stimmung am Markt. China hat weniger ein Inflationsproblem als etwa die USA oder der Euroraum und dürfte alles unternehmen, um die dortige Konjunktur anzukurbeln bzw. in Fahrt zu halten. Die jüngsten wirtschaftlichen Indikatoren bestätigen zudem dort einen leicht positiven Trend.

Hinsichtlich der Zentralbankpolitik gab es zum Ende der Woche weitere restriktivere („hawkishe“) Kommentare zweier Vertreter der US-Notenbank Fed. Ein kommender deutlicher Zinsschritt der US-Währungshüter um 75 Basispunkte scheint nicht ausgeschlossen. Interpretationen der Marktakteure, dass nach einer solchen stärkeren Anhebung eine eventuelle Zinserhöhungspause erfolgt könnte, hat zuletzt für Zuversicht gesorgt. Die Fed muss nicht, so die Hoffnung, im Zinserhöhungspfad auf Autopilot fahren. Zumal es im Interesse der Zentralbank liegt, die Konjunktur nicht zinspolitisch vollends abzuwürgen. Am Willen der Fed, die Inflation einzudämmen, sollte allerdings kein Zweifel herrschen.

Deutschland im Mai erstmals seit langem mit Außenhandelsdefizit

Die derzeit wirtschaftlich schwierige Lage mit anhaltender Lieferkettenproblematik spiegelt sich hingegen jüngst in der Entwicklung des deutschen Außenhandels wider. Erstmals seit vielen Jahren erzielte der „Exportweltmeister“ Deutschland im Mai ein Außenhandelsdefizit. Es wurden also mehr Waren aus dem Ausland gekauft als in andere Länder exportiert wurde. Neben rückläufigen Ausfuhren in den Euroraum waren vor allem erhöhte Energiepreise auf der Einfuhrseite hierfür verantwortlich.

Ölpreis zeitweise unter 100-Dollarmarke, Euro steuert in Richtung Parität

Der Ölpreis als Indikator für die Konjunktur fiel in der Berichtswoche aufgrund der Rezessionssorgen für die Sorte Brent zeitweise unter die Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Am Freitag ging es dann wieder auf 105 US-Dollar hinauf. Die Unsicherheit der Marktteilnehmer über den weiteren Verlauf von Teuerung und Konjunktur scheint erste Spuren in der Preisentwicklung zu hinterlassen. Insgesamt dürfte die Volatilität am Energiemarkt in den kommenden Monaten, vor allem vor dem Hintergrund der Gaspipeline Nordstream 1, weiterhin sehr hoch bleiben. Aktuell steht die jährliche Wartung der Pipeline an, die hierfür abgeschaltet wird. Viele Marktteilnehmer befürchten, dass der Betrieb nach der Wartung nicht wieder aufgenommen werden könnte.

Die Unsicherheit der Anleger hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum und auch in der Energiefrage spiegelte sich zuletzt deutlich in der Gemeinschaftswährung wider. Der Euro fungierte in der Berichtswoche als klarer Risikoindikator. Mit einer Abwertung von 2,6 Prozent zum US-Dollar, der als sicherer Anlagehafen gefragt war, ging es weiter in Richtung Parität. Am Freitag waren nur noch 1,014 US-Dollar je Euro zu bezahlen. Dies war der niedrigste Stand seit dem Jahr 2002.

Notenbank-Protokolle von Fed und EZB

In der Berichtswoche wurden die Protokolle zu den jüngsten Sitzungen von US-Fed sowie der Europäischen Zentralbank veröffentlicht. Die US-Notenbank Fed bestätigte ihre Entschlossenheit, die Zinsen im Kampf gegen die Inflation anzuheben und sieht ihren Übergang zu einem restriktiveren Kurs gerechtfertigt. Im Falle eines anhaltenden Inflationsdrucks könnte dem Protokoll zufolge sogar ein noch strafferes Vorgehen gerechtfertigt sein. Zumal viele Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed ein erhebliches Risiko sehen, dass sich die Inflation verfestigt. Darüber hinaus sprachen sich Teilnehmer für eine Leitzinserhöhung um 50 oder sogar 75 Basispunkte auf der kommenden Sitzung aus.

In der EZB scheint dem Sitzungsprotokoll zufolge eine nicht unerhebliche Zahl an Ratsmitgliedern sehr unzufrieden mit den Inflationsaussichten zu sein und präferiert daher einen kräftigen Zinsschritt. Angesichts der Inflationsdynamik und dem Vorgehen anderer Zentralbanken, die bereits im Zinserhöhungszyklus gegenüber der EZB viel weiter fortgeschritten sind, dürften sich Teilnehmer im EZB-Rat die Tür zu einem größeren Schritt offengehalten haben. Zumindest dürfte eine adäquate Reaktion auf die dann zur Juli-Sitzung bekannten Daten hinsichtlich des mittelfristigen Inflationsausblicks erfolgen.

Reserve Bank of Australia erhöht Leitzins

Unterdessen hat mit der Reserve Bank of Australia (RBA) ein weiteres Institut aus den etablierten Ländern an der Zinsschraube gedreht. Im Kampf gegen die hohe Inflation erhöhte die australische Notenbank am 5. Juli ihren Schlüsselsatz zum dritten Mal in Folge, dieses Mal um 50 Basispunkte auf nunmehr 1,35 Prozent. Diesem dürften weitere Schritte zur Normalisierung der monetären Bedingungen folgen. Größere Marktreaktionen auf diesen Zinsschritt blieben aus, da dieser wohl soweit erwartet wurde.

Weitere Konjunkturdaten

Die deutsche Industrieproduktion lag im Mai mit plus 0,2 Prozent unter den Erwartungen (0,4 Prozent). Allerdings wurde der Vormonat nach oben revidiert. Die Entwicklung passt in unser Bild, das eine rückläufige Güternachfrage vorsieht. Der Materialmangel bzw. die Lieferkettenproblematik dürfte weiterhin ein großes Problem für die deutsche Wirtschaft darstellen.

Am US-Arbeitsmarkt wurden im Juni 372.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls) geschaffen. Der Konsens der Bloomberg-Umfrage lag mit 265.000 neuen Jobs deutlich niedriger. Die Arbeitslosenquote blieb mit 3,6 Prozent unverändert. Der Arbeitsmarkt zeigt sich nach wie vor robust, wie der hohe Beschäftigungszuwachs aufzeigt. Die US-Notenbank kann sich derzeit beruhigt der Inflationsbekämpfung widmen.

    Aktien: DAX 40 zwischenzeitlich auf Jahrestief

Nach schwacher Eröffnung zum Wochenauftakt schwenkten die Börsen auf Erholungskurs. Eine Trendwende ist aber noch nicht auszumachen, die Stimmungsindikatoren lassen bislang noch keine Besserung erkennen. Europa ist von einer drohenden Energiekrise besonders betroffen. Am Aktienmarkt reagierten Investoren hierauf mit dem Verkauf europäischer Aktien. Die US-Börsen zeigten sich mit Blick auf die jüngste Wochenentwicklung im Vergleich hierzu wesentlich stabiler. Positive Vorgaben aus Asien (Samsung und Taiwan Semiconductor) sowie den USA sorgten aber in Europa für insgesamt positive Wochenbewegungen (per Stand Freitagmittag). Die US-Börsen, im Vergleich zu Europa weniger von einer drohenden Energiekrise betroffen, konnten bis zum Handelsstart am Freitag und somit vor den wichtigen US-Arbeitsmarktdaten deutliche Zugewinne verbuchen. Der marktbreite S&P 500 Index verzeichnete ein Plus von zwei Prozent. Der technologielastige Nasdaq-Index legte um 4,5 Prozent zu. In Asien ging der japanische Nikkei 225 mit plus 2,2 Prozent aus dem Markt, während der chinesische Hang Seng-Index 1,7 Prozent nachgab.

In Europa erreichte der DAX 40 zwischenzeitlich ein Jahrestief bei knapp unter 12.400 Punkten. Per Freitagmittag lag der Leitindex dann mit rund 12.800 Punkten wieder unverändert zur Vorwoche. Der STOXX Europe 600-Index gewann zwei Prozent hinzu. Mit Blick auf die überwiegend im Plus liegenden Sektoren lagen Einzelhandelsaktien mit plus 4,2 Prozent an der Spitze. Lediglich Banken (minus 0,7 Prozent) und Versorger (minus 0,4 Prozent) tendierten ins Minus.

    Renten: Leichter Renditeanstieg bei Staatsanleihen

An den Euro-Staatsanleihenmärkten war die Renditeentwicklung im Rahmen der Erholung bei den mit Risiko behafteten Anlageklassen nach oben gerichtet. Wir sahen das klassische Bild: Steigende Aktienkurse und fallende Anleihenotierungen. Die Renditeveränderungen waren allerdings überschaubar. Trotz hoher Volatilität etwa beim Bundfuture betrug der Renditeanstieg der richtungsweisenden zehnjährigen Bundrendite lediglich drei Basispunkte auf 1,26 Prozent. Die deutsche Zinsstrukturkurve veränderte sich je nach Laufzeit uneinheitlich um wenige Basispunkte. Lediglich am vorderen Ende der Kurve bis zu einem Jahr Anlagedauer waren größere Renditeanstiege zu beobachten.

Vom Renditeanstieg betroffen waren auch die Peripherieländer. Das im Raum stehende „Anti-Fragmentierungsprogramm“ der EZB, hierzu gab es zuletzt den einen oder anderen kritischen Kommentar aus der EZB, schwebt über dem Markt. Damit verbunden auch die Diskussion hinsichtlich der Schuldentragfähigkeit der Südländer bei steigenden Kapitalmarktzinsen. Der Spread zwischen deutschen und italienischen Zehnjahresanleihen hat sich in der Berichtwoche um zehn auf 194 Basispunkte ausgeweitet.

Am US-Markt kam es in den kürzen Laufzeitenbereichen zu einem teils beträchtlichen Renditeanstieg, die US-Zinskurve tendierte damit etwas flacher. Gerade der kurze Laufzeitbereich reagiert stark auf die Zinspolitik der Notenbank und preist Zinsveränderungen merklich ein oder aus. Der Laufzeitbereich zwei- bis inklusive fünf Jahre rentiert mit drei Prozent aktuell höher als die richtungsweisenden Zehnjahrespapiere (plus 10 Basispunkte auf 2,98 Prozent) und ist damit in diesem Laufzeitspektrum invers.

Bei den Anleihen mit einem Zinsaufschlag, vor allem bei Staatsanleihen aus den Schwellenländern war eine Stabilisierung zu beobachten. Weitere EM-Zentralbanken, wie etwa Peru oder auch Polen, erhöhten die Leitsätze. Polen überraschte mit einer geringer als erwarten Zinserhöhung (50 Basispunkte). Die polnische Zentralbank hat mittlerweile auch das Wachstum der polnischen Wirtschaft im Blick und wird wohl trotz erhöhtem Inflationsausblick zinspolitisch etwas vorsichtiger agieren. Euro-Unternehmensanleihen mit gutem Rating (ICE BofA Euro Corporate Index) profitierten von der verbesserten Risikobereitschaft und verzeichneten rückläufige Risikoaufschläge (Spreads).

    Ausblick auf die kommende Woche: Q2-Berichtssaison startet

Zur Wochenmitte stehen die US-Verbraucherpreise im Blickpunkt der Anleger. Mit 8,8 Prozent laut Konsens soll sich die hohe Inflation im Juni fortgesetzt haben. Am Dienstag kommt der ZEW-Index für Deutschland mit Erwartungskomponente und Lagebeurteilung. Zudem werden am Freitag zahlreiche Daten aus China bekanntgegeben. Und am Donnerstag startet dann die Bilanzberichtssaison mit den US-Banken JP Morgen Chase und Morgan Stanley.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 8. Juli 2022, soweit nicht anders angegeben.

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